Architektur-TÜV

Spektakuläre Architektur erhöht den Erlebniswert für die Nutzer und kann gezielt als Teil des Corporate Design für die Außenwirkung eingesetzt werden. In der heutigen Zeit, in der das Bildhafte nach wie vor von großer Bedeutung ist, kann Architektur, sofern sie gut ist, auch den Markenwert des Nutzers signifikant erhöhen. Dies kann manchmal sogar exorbitant sein. Man denke nur an den Eifelturm oder das Guggenheim Museum in Bilbao. Die Architektur kann nicht nur ein wesentlicher Besuchsgrund für das Gebäude an sich werden, sondern für die gesamte Stadt. Auch ein Fußball-Stadion kann vergleichbares leisten. Es ist die einzige dauerhafte Verkörperung einer Fußballmannschaft und kann deren Markenwert beträchtlich beeinflussen. Aufgrund der gewaltigen Größe eines Stadions ist es oft auch in der Stadtlandschaft unübersehbar und damit stadtprägend. Auch Elektrizitätswerke oder Straßenbahndepots sind aufgrund ihrer Größe sehr präsente Objekte einer Stadt. Aber auch kleinere Gebäude an exponierten Lagen oder wichtigen Verkehrs- und Sichtachsen sind für das Erleben einer Stadt relevant.
Je nach Standort ist der Einfluss des Bauvorhabens auf die Stadt unterschiedlich. Deshalb muss man die Standorte kategorisieren und jeweils spezifische Kriterien festlegen, ab wann eine Überprüfung durch eine Jury nötig ist. Baumasse, Bauhöhe und/oder Fassadenfläche wären solche Parameter.

Kategorien
A „Postkartenbereich“. Oft fotografierte, repräsentative Stadtansichten.
B Besucherrelevante Bereich. Von Auswärtigen oft besuchte Bereiche oder oft fotografierte, repräsentative Stadtteilansichten.
C Für den Schifffahrtstourismus interessante Bereiche oder entlang Sightseeing-Strecken liegende Bereiche.
D Bereich entlang stark frequentierter Verkehrswege.
E Bereich entlang wenig bis normal frequentierter Verkehrswege.

Für Bauvorhaben in Gebieten der Kategorie E wären keine Überprüfungen notwendig, wohingegen im Bereich der A-Kategorie alle Bauvorhaben sich einer Überprüfung unterziehen müssten. Sobald die Bauvorhaben in die Sichtbereiche anderer Kategorien “wachsen“ würden, gelten die Kriterien der höchsten Kategorie.

Der Main ließe sich demzufolge in diese Abschnitte einteilen:
A „Postkartenbereich“ zwischen Deutschherrnbrücke und Friedensbrücke (Abschnitt innerhalb des Alleenrings)
B Besucherrelevante Abschnitt zwischen Niederräder Brücke (S-Bahn-Aussicht, Kliniken) und neue EZB-Brücke (EZB, Osthafen)
C Für den Schifffahrtstourismus interessanter Abschnitt zwischen den beiden Staustufen Griesheim und Osthafen
D Der gesamte Main als supranationaler Verkehrsweg
Zu überlegen wäre, ob der Abschnitt zwischen Schwanheimer Brücke und Leunabrücke (Höchst, Schwanheimer Düne) nicht auch in die B Kategorie fällt.


Die Jury könnte und sollte durchaus auch von dem Bauherrn bestimmt werden können, wenn die Jury-Mitglieder anerkannte Experten der Architektur sind. Je nach städtebaulicher Relevanz bzw. Kategorie dürfte die Stadt jedoch auf eine Mitbestimmung der Jurybesetzung bestehen.
Diese Mitbestimmung ist durchaus gerechtfertigt, da jegliche Form der Bebauung den Wert der Nachbarbebauung, des Stadtteils und der Stadt beeinflusst und damit jeden Bürger der Stadt betrifft. Schließlich hat das Image eines Stadtteils und der Stadt einen Maßgeblichen Anteil am Verkaufs- und Nutzwert eines Gebäudes.
Da gute Architektur den Objektwert auch für den Nutzer dauerhaft erhöht, ist es nicht nur nachteilig für den Bauherrn, wenn dessen Bauvorhaben ein Mindestmaß an architektonischer Qualität besitzt.

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